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Kreativität …. amortir la balle

von Norbert Ahlers

Die Kritik an dem geplanten Kreativzentrum Alte Feuerwache Heidelberg provoziert bei jungen engagierten Klein- und Kleinstunternehmen in der Kreativwirtschaft ein Unbehagen. Nicht nur, dass man sich in dem eigenen Handeln missverstanden sieht, man kann offensichtlich auch nicht nachvollziehen, dass man das Konzept der Alten Feuerwache grundlegend in Frage stellt, da sich nach jahrelanger Trägheit in Heidelberg etwas endlich zu bewegen scheint.

Tatsächlich ist aber auf kommunaler Ebene eine Diskussion um die Erwartungen, die man gegenüber der Kreativwirtschaft hat und deren Konzepte überfällig. Wie verhält sich die Kulturarbeit zur Kreativwirtschaft, welche Funktion haben die sogenannten Bohemiens (vgl. J.Gückler, M.Ries, H. Schmid Kreative Ökonomie in Heidelberg S. 6 / S. 21, Heidelberg 2010) innerhalb der Kreativwirtschaft und welche Schwerpunkte will man in Heidelberg überhaupt akzentuieren.

Es bleibt immer noch die Frage von Johan Holten nach einer Ausbildungseinrichtung für junge bildende Künstler in Heidelberg unbeantwortet. workerKann sich in Heidelberg eine kreative Szene überhaupt entwickeln, wenn es nicht eine Akademie für Kunstschaffende gibt? Heidelberg hat keine Musikhochschule wie Mannheim, keine Filmakademie wie Stuttgart, keine Kunsthochschule wie Karlsruhe und kein Literaturinstitut wie etwa Leipzig. Da solche Institutionen auch nicht geplant sind, ist die Frage, welche Erwartungen man an die hiesige Kreativwirtschaft hat? Welche Zielsetzung verfolgt man mit einem Kreativzentrum und sind es dieselben Perspektiven, die auch die jungen Kunstschaffenden haben?

Die aber haben für diese Diskussion nur bedingt ein Interesse, denn nach all den vergangenen Schwierigkeiten sind sie froh, dass gerade durchatmen können, weil sie endlich einen günstigen Raum für ihre Arbeiten gefunden haben. Wer aber diese Diskussion ignoriert, läuft Gefahr die eigene Idee einem ganz anderen Zweck auszuliefern.

In diesem Zusammenhang ist es auch durchaus mehr als nur reizvoll, sich nochmals über das Stichwort „Amortisierung“ zu verständigen.

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Premiere des BERGKINO Boxberg/Emmertsgrund

von Norbert Ahlers

Am 20.06. hatte das Heidelberger BERGKINO auf dem Boxberg/Emmertsgrund seine Premiere. Im Rahmen des Projektes „Beton heißt Stärke“ haben Schülerinnen und Schüler der Waldparkschule ihr Kino dem Stadtteil vorgestellt. Die Leistungen der Schüler waren beeindruckend. Unter der beharrlichen Begleitung ihres Klassenlehrers Hubert Hug und mit der medienpraktischen Unterstützung seitens der Kineskop-Filmschule haben die Jugendlichen einer 8.Klasse im Verlauf des Schuljahres einen eigenen Kurzfilm gedreht, eine Fotoausstellung mit eigenen Aufnahmen zusammengestellt und einen eigenen Kinoabend organisiert. Dieser Abend war gleichzeitig der Auftakt, mit dem sich die Jugendlichen als eigene, frischgegründete Schülerfirma präsentierten. Mit „La Haine“ (M. Kassovitz, F/1995) hatten sich die Schüler zudem einen Film ausgesucht, der inhaltlich konfrontativ und ästhetisch anspruchsvoll ist.

Der Kurzfilm „Die Neue“ auf der eigenen Kinoleinwand.

„Die Neue“, der eigene Kurzfilm der Schüler, erzählt von einem Mädchen, das erst vor kurzem auf den Emmertsgrund gezogen ist und einem Jungen, der sich allein in seinem Stadtteil behaupten muss, aber in jedem Hindernis auch die Herausforderung eines eigenen Weges entdeckt. Er läuft Parkour, weil es ihm Spaß macht, auch wenn er dafür kein Verständnis findet. Er und das Mädchen, beide Außenseiter, finden, was ihnen die Umgebung verwehrt: Geborgenheit und Anerkennung.

Eindrucksvoll waren die Fotografien der Schüler, die sie unter der Begleitung von Max P. Martin in verschiedenen Workshops aufgenommen haben. Über die Ablichtung verschiedenster Orte wie etwa die Parkgaragen im Ermmertsgrund, das Iduna-Center auf dem Boxberg oder etwa die St.Paul-Kirche näherten sich schließlich die Jugendlichen auch der Arbeit eigener Portraitaufnahmen an. Dabei entstanden erstaunliche Bilder von Jugendlichen, die in ihrer Haltung, in ihrem Lachen und ihrer Skepsis wohl in einer ganz besonderen und gelungenen Form vom Leben auf dem Berg erzählen.

Orte und Gesichter vom Berg – die Bildergalerie der Jugendlichen

Im Boxberger „Holzwurm“ wurde mit Unterstützung von Ingo Smolka das örtliche Jugendzentrum mit einfachen Mitteln in ein Kino verwandelt, was für manchen auch ein déjà-vu gewesen sein mag. Es war ein Filmabend, der in seinem improvisierten Rahmen und mit seiner Authentizität an die frühe kommunale Filmarbeit erinnerte. Die selbst zubereiteten Kinosnacks wie Humus, Guacamole, Nachos mit eigenen Saucenkreationen oder eine selbst zusammengemixte Limonade waren eine angenehme Bereicherung, die manch anderes professionelle Kino adaptieren könnte. Die Ernsthaftigkeit, die Energie und die Anteilnahme, die die Jugendlichen bei der Vorbereitung dieses Abends zeigten, verblüffte manche Lehrkraft. Von 07:45 Uhr bis 21:00 Uhr waren die meisten von ihnen an diesem Tag fast ununterbrochen in der Schule bzw. in einer schulischen Veranstaltung.

die Alternative zu Popcorn

In all diesen Anstrengungen ist die Idee zu wiederzuentdecken, dass ein Kino mehr ist als nur eine Leinwand für projizierte Unterhaltung. Das BERGKINO hat die Perspektive und das Potential, ein Ort des Dialogs zu werden. Für ein zeitgenössisches Kino ist das eher ungewöhnlich und in Heidelberg, wo sich in den vergangenen Jahren die Kinosituation drastisch verändert hat, ist dieses Kinoprojekt umso bemerkenswerter: die Schüler haben mit dem BERGKINO die Filmkultur zu sich in ihren Stadtteil geholt. Ein Projekt, das durch die Kineskop initiiert, durch die Waldparkschule ermöglicht und den ESF-Fonds „Stärken vor Ort“ gefördert wurde. Eine Stärke, die auch im Zentrum der Stadt zur Kenntnis genommen werden muss.

Bleibt nur zu hoffen, dass die Filmabende fortgesetzt werden, dass die Akustik verbessert wird und die Crew die notwendige Beharrlichkeit und den unbestechlichen Eigensinn hat, die dieses ungewöhnliche Projekt von allen Beteiligten immer wieder fordert. Die Premiere war auf jeden Fall ausgesprochen ermutigend.

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Kreativcluster – die Illusion vom nie versiegenden Rohstoff

von Norbert Ahlers

Kreativcluster – ob in Portfolios von workshops oder in Grundrissskizzen der geplanten Gebäudenutzung leerstehender Hallen und Ruinen. Die Kreativwirtschaft verspricht eine dynamische Wucht. Der Begriff funktioniert, ohne auch nur eine konkrete Idee zu formulieren. Auch wenn man hier offensichtlich eher etwas beschwört als es zu verstehen, scheint es offensichtlich zu sein, dass hier vor allem von Ressourcen die Rede ist, weniger von Produkten.

Es bleibt allerdings die Frage, wer über diese Ressourcen verfügt? Der Aufschrei der Autoren, dass die digitale Technik auch einen Enteignungsprozess durch die Nutzer mit sich gebracht habe, ist nicht mit einer Handbewegung wegzufegen. Von diesem Enteignungsprozess profitieren vor allem gigantische Majors wie google oder facebook, weniger die Nutzer. Die Idee, dass z.B. Crowd-Funding ernsthafte alternative Finanzierungsmodelle darstellen oder man über Youtube eine Community um sich scharen kann, die einem als Sprungbrett für eine etablierte Karriere dient, funktioniert als kreatives Versprechen, aber nicht als Methode. So wird heute mit digitalen Foren eine Dynamik assoziiert, die früher die Goldfunde am Klondike River evoziert haben.

Es ist, als hätte man mit der Entdeckung des kreativen Potentials endlich wieder eine Quelle entdeckt, die wie einst das Öl, die Voraussetzung für die Illusionen des Fortschrittsdenkens ist: ein nie versiegender Rohstoff. Der Witz dabei: diese Quelle hat man selbst kreiert, denn man muss nicht nach ihr in schwer zugänglichen Gesteinsschichten schürfen, sondern lediglich kreative Freiräume bieten.

Die Crux bei dieser Quelle ist allerdings, dass man dieses bestimmte Umfeld schaffen und pflegen muss, in dem sich diese Ressource entfalten kann. Anders ausgedrückt: wie lassen sich Menschen kostengünstig zusammenbringen, die sich an diesem Ort wohlfühlen, permanent initiativ sind und sich gegenseitig eine Idee von Avantgarde vermitteln, die stilbildend ist und den Ort für finanzstärkere Kreise attraktiv werden lässt. Die Kommunen sehen sich dazu gedrängt, für die Kreativbranche kostengünstige Freiräume zur Verfügung zu stellen, um im Städteranking eine bessere Voraussetzung zu haben. Die zumeist jungen Kreativschaffenden sollen urbanen Brachen ein neues Flair geben, so dass das Leben vor Ort hip zu sein scheint. Irgendwer bastelt an neuer Musik, präsentiert sie in einem verborgenen Club, ein anderer entwickelt virtuelle Partizipationskonzepte oder modelliert an einem virtuellen Design und trotz aller Sorgen gibt es immer noch irgendwo einen Latte Macchiato und die Zerstreuung im Chat.

Klassische Konflikte wie der zwischen Arbeit und Eigentum werden bei den Hipstern ausgeblendet, als unzeitgemäß ignoriert. Überraschenderweise scheint aber nun über die Urheberrechtsdebatte sich gerade dieser Konflikt wieder zu thematisieren. Das Verheerende aber ist, dass man eine sehr genaue Idee davon hat, dass die herkömmlichen Vertriebsstrukturen durch die digitalen Techniken nicht mehr funktionieren und somit auch nicht mehr die Eigentumsformen geschützt werden können. Was einerseits wie eine Befreiung, wie eine längst überfällige Wiederaneignung klingt (Wissen im Web ist zur virtuellen Allmendewiese geworden), scheint hinterrücks ein gigantischer Prozess wie der der spätantiken Kolonenlegung zu sein.

Aufprall der Verhältnisse

Nach einer harten, jahrelangen Ausbildung werden junge Menschen aufgefordert, mit geringfügig entlohnten Dienstleistungsjobs die Voraussetzungen für ein selbstbestimmtes Leben zu schaffen, die aber nur in Ausnahmen die materielle Grundlage sichern oder gar eine etablierte Existenz nach altem Muster schaffen können.

Eigentumsrechte an Ideen sind eine Illusion, denn der Wert einer Idee entwickelt sich ja erst, wenn sie einen Handelswert entwickelt, dann aber ist sie in der Regel nicht mehr im Besitz dessen, der sie hatte, sondern in den Händen der Person, die sie mit Lizenz vertreibt. Ideen werden immer produziert. Sind sie gut, werden sie kopiert, setzen sich durch. Das ist keine Frage des Eigentums, sondern des Gebrauchs. Ein reales Einkommen aber hat nur der zu erwarten, der seine Idee in eine Ware verwandeln kann. Dass somit aber der Gebrauchscharakter der eigenen Idee grundlegend verändert wird, wird von den meisten in ihrer Not verdrängt. Das geht soweit, dass die Eigner, nicht die Urheber, gar nicht mehr an den Ideen interessiert sind, sondern nur noch an der Tatsache, dass man sich auf den Foren tummelt. Das kreative Potential agiert in einer doppelten Funktion: als Wertschöpfer und als Warenmasse, d.h. gleichzeitig als Produzent und als Konsument. Eine scheinbar nie versiegende Rohstoffmasse. Anders gesagt: der Fischer ist aus der Perspektive der Geschäftsführung eines Handelskonzerns dem Fisch ähnlicher als dem Abteilungsleiter.

Was auf jeden Fall immer weniger gelingen wird, sind die alten Formen und Strukturen, in denen Künstler und Kreativschaffende vor 20 Jahren eine materielle Existenz schaffen konnten. Neue Modelle sind zu entwickeln und vielleicht sollte man sich aber unabhängig vom Hype um die creative class, um Kreativecluster u.a.m. vor allem auf die kooperative Kraft der Ideen verlassen. Ideen überzeugen, wenn sie Gemeinschaft stiften, wenn man gelegentlich in Kooperation mit Freunden den Zwang des Überlebens in Momente eines Lebens mit Freude verwandelt.

„Solidarity ist the next sexy“ („Rasende Ruinen“ von Katja Kullmann)

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Die „Alte Feuerwache“ in Heidelberg – Möglichkeiten für ein innovatives Kunst- und Kreativzentrum?

von Norbert Ahlers

Am 13.01.2012 trafen sich ca. 70 Interessierte aus der Kultur- und Kreativwirtschaft in der „Alten Feuerwache“ Heidelbergs. Das Gelände, auf dem derzeit das Opernzelt und die Verwaltung des Stadttheaters untergebracht ist, wird voraussichtlich im Herbst 2012 wieder frei sein.

Verschiedene Optionen einer kommenden Nutzung stehen zur Diskussion: So überlegt man z.B., das Gelände als Standort für ein mögliches Cineplex bereitzustellen oder auf dem 7450 m² großen Areal eine Mischform von Kultur- und Kreativbetrieben anzusiedeln. Letzteres wird von der Fraktionsgemeinschaft Generation HD und Bündnis 90/Die Grünen befürwortet, die zu einem dreistündigen Workshop eingeladen hatte. Hier wurden in sechs Kiosken bzw. Gesprächsgruppen verschiedene Aspekte eines möglichen Kultur-und Kreativzentrums diskutiert und skizziert.

Das Konstrukt einer „Kulturachse“ ist bestechend, denn in den vergangenen Jahren hat sich der Heidelberger Stadtteil Bergheim grundlegend verändert. Wissenschaft und Kultur prägen die Bergheimer Straße in einem bisher kaum gekannten Maße. Waren früher vor allem die medizinischen Fakultäten mit den verschiedenen Kliniken präsent, so findet sich hier nun eine Vielfalt von verschiedensten universitären Einrichtungen inklusive der Prinzhorn-Sammlung. Die Freie Musikschule und die Volkshochschule sind ebenfalls an der Bergheimer Straße und im Landfriedkomplex entwickeln sich in absehbarer Zeit neue Strukturen (es ist zu erwarten, dass das multikulturelle Zentrum der Stadt Heidelberg dort eingerichtet wird). Die Nutzung der Alten Feuerwache durch unterschiedliche Betriebe der Kreativwirtschaft würde die Entwicklung dieses Stadtteils konsequent fortschreiben. Die „Alte Feuerwache“ als Kreativzentrum könnte sogar eine Brücke zu dem Heinsteinkomplex darstellen, in dem sich weitere Unternehmen dieses Bereiches angesiedelt haben wie z.B. Architekturbüros, Agenturen oder Verlage.

In der Diskussion des Workshops wurde diese „Kulturachse“ sogar zu einem Dreieck erweitert, in dem das Areal der Halle 02 und somit die Bahnstadt integriert wäre.

Diese Überlegungen können aber nur dann gelingen, wenn dem Entwurf ein überzeugendes Konzept zugrunde liegt. Eine der diskutierten Ideen war, das Nutzungskonzept mit der Idee von „Wissen schafft Stadt“ zu verbinden. Dabei wurde wieder auf ein Defizit der Stadt Heidelberg aufmerksam gemacht: weder ist in Heidelberg eine Hochschule für Bildende Künste noch für Musik oder Medien angesiedelt. So wurde in einem der Gesprächskreise denn auch klar skizziert, dass die „Alte Feuerwache“ eine Gelegenheit darstellen könnte, dieses Defizit in einer unkonventionellen Form zu kompensieren.

Eine Zusammenführung von freien Einrichtungen, die für Neue Musik, Medienbildung, Architektur und Kunst stehen, würde die „Alte Feuerwache“ zu mehr als nur einem soziokulturellen Zentrum oder Gründerzentrum machen. Sie würde weniger ein Veranstaltungsort als vielmehr ein Produktionsort für innovative intellektuelle Ideen und Experimente sein. Ein wesentliches Merkmal dieser Produktivität muss dabei ihre Internationalität sein, die somit auch das Umfeld schaffen würde, in dem kreative Kleinunternehmen sich ansiedeln würden, um von den Impulsen an diesem Ort zu profitieren.

„Wissen schafft Stadt“ im Zusammenhang mit der Internationalen Bauausstellung Heidelberg (IBA) darf daher nicht nur auf ambitionierte Bauvorhaben beschränkt werden, sondern muss die Menschen vor Ort mit einbinden. Der urbanen Vitalität und den dynamischen Potentialen des sich rasant verändernden Heidelbergs muss ein neuer Raum geboten werden. Gleichzeitig müssen von hier aus auch Impulse ausgehen, die über die Region hinausgehen. Wenn es gelingt, dieses Modell (Neue Musik, Medienbildung, Architektur und Kunst) in der „Alten Feuerwache“ zu kreieren, dann verfügt Heidelberg über eine Institution, die sich gegenüber dem geplanten Kreativzentrum Mannheims im Jungbusch durchaus behaupten kann. Es bleibt aber zu fragen, ob man hier nur einen weiteren Cluster hinsetzt oder aber den Mut besitzt, ein „Bauhaus des 21. Jahrhunderts“ zu entwickeln.

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Beton heißt Stärke

von Norbert Ahlers

„Was fällt Dir zu dem Stichwort Beton ein?“ „Stärke“. Das war die Antwort einer jungen Frau aus dem Emmertsgrund.

Dieser Baustoff, der in der Kernstadt Heidelbergs eher mit Skepsis wahrgenommen wird, ist das markante Kennzeichen des Heidelberger Stadtteils Emmertsgrund. Während anderenorts der Emmertsgrund als Trabantenstadt gesehen wird, erleben sich die Menschen dort vor Ort in einer ungewöhnlichen Gemeinschaft und Identität.

Beton ist vielfältig, so vielfältig wie dieser Stadtteil. Das Projekt „Beton heißt Stärke“, eine Zusammenarbeit zwischen der Waldparkschule Boxberg und der Kineskop-Filmschule will diese Vielfalt aufgreifen: einerseits mit den drei unten skizzierten Arbeitsbereichen und andererseits mit den Inhalten.

Ein Kurzfilm, Fotoworkshops und die Initiative für ein Stadtteilkino sind die Schwerpunkte dieses Projektes, das im September dieses Jahres beginnen wird.

Die Architektur, die vor allem durch Beton charakterisiert wird, bringt nicht nur die eigene Stärke, sondern auch die der gesellschaftlichen Wirklichkeit zum Ausdruck. Sie wird in den Bauten wie in einem Bild beschrieben, oft dichter als es 1000 Worte sagen können. Architektur ist immer ein in Material formulierter Gedanke. Wie und wo der menschliche Körper, die menschliche Bewegung und der Blick in diesem „Gedankengebäude“ sich behaupten können, soll in dem Fotoprojekt „Präsenz und Bewegung“ weiter entwickelt werden.
Bildaufnahme von onkel_wart gemäß CC (BY-NC-SA)

Das Stadtteilkino veranschaulicht, dass der Emmertsgrund Raum bietet für Begegnungen ganz eigener Art. Unabhängig von der Geschlossenheit des Baukomplexes zeigt der Stadtteil in seiner Dichte eine Vitalität und Vielschichtigkeit, wie sie in Heidelberg kaum andernorts anzutreffen ist. Die Geschichten gerade auch der Generation, die zuwanderte, sollen einen Ort haben, wo sie erzählt und gehört werden.

Im diesem Kino sollen die Medienarbeiten der Jugendlichen wie auch die Filme der Elterngeneration gezeigt werden, so dass zu hoffen ist, dass die Heidelberger auf diesem Wege mehr über die Filmgeschichten anderer Länder erfahren als man im internationalen Filmkanon oder auf Festivals entdecken kann.

Weitere Informationen unter info@kineskop.de.

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Bilder einer Bildungsreise – Carla Curman in Heidelberg 1881

von Norbert Ahlers

Bei Recherchearbeiten ist das Team des Pilotprojektes „die medialen Erzählformen des Krieges – Heidelberger Bilder im ersten Weltkrieg“ auf die frühe Fotografie des Schweden Carl Curman gestoßen. Seine Bilder beschreiben das Heidelberg einer Friedenszeit, den Blick eines Reisenden auf Heidelberg in den späten Regierungsjahren des Kaisers Wilhelm I (1871-1888).

Der schwedische Arzt und Professor für Anatomie an der Stockholmer Akademie der Künste war ein leidenschaftlicher Amateurfotograf, der seine Reisen mit bemerkenswerten Bildern dokumentierte. 1881 besuchte er zusammen mit seiner Frau Carla Curman auf einer Deutschlandreise auch Heidelberg. Eine Bildserie dieser Reise findet sich auf der Bilddatenbank flickr.com, die seitens des Kulturmiljöbild – The Swedish National Heritage Board’s photographic database publiziert wurde.

Curman kam als Tourist nach Heidelberg. Seine Bilder zeigen die bekannten touristischen Motive wie die Schlossrunie, die Alte Brücke oder die Herrenmühle am Fluss, aber im Gegensatz zu den formelhaften Standardbildern der Stadt- und Schlossansichten des 20. Jahrhunderts scheint Curman als Reisender in seinen Bildern diese Motive selbst zu entdecken oder sie entsprechend der Gemäldevorlagen des frühen 19. Jahrhunderts fotografisch zu rekonstruieren. Die Bilder haben jedoch einen privaten Charakter, denn des öfteren findet sich auf ihnen Carla Curman, wie z.B. auf dem Bild, das die alte Brücke zeigt.

In der Reihe aber überrascht das Bild von der Oberen Neckarstraße.
Calla Curman in Heidelberg 1881

Es zeigt eine Altstadt, die schon dem damaligen Betrachter als anachronistisch erschienen sein muss – zumal für eine Universitätsstadt. Die Bildgestaltung betont diesen Eindruck, denn das Bild wird eingerahmt durch die Häuser dieser Gasse, die das Bild in der Perspektive verengen, was noch betont wird durch die Diagonale des Schattens, den das rechte Gebäude wirft. Oberhalb dieses Schattens, wie in einer Gasse des Sonnenlichtes, ist wieder Carla Curman zu erkennen. Dunkle Jacke, dunkler Rock, dunkler Schirm und Hut vermittelt sie den Eindruck einer alten Dame (tatsächlich war sie zu jenem Zeitpunkt gerade 31 Jahre alt). Der obere Teil öffnet das Bild auf eine von links nach rechts aufstrebende Bilddiagonale, die durch das Schlosshotel am Schloss-Wolfsbrunnenweg dominiert wird. Das klotzige Gebäude war zur Entstehungszeit des Bildes gerade erst sechs Jahre alt und dürfte für Curman wie ein gewaltiger Neubau gewirkt haben, der über dem alten Heidelberg ohne Proportion zur Umgebung thronte. Es mag ein Zufall gewesen sein, doch die rennenden Kinder im Vordergrund des Bildes sind in dem eher statischen Bild wie ein Moment des Lebens. Durch die lange Belichtungszeit sind sie wie ein flüchtiges Huschen abgelichtet und lassen etwas von der Vitalität dieser Gasse ahnen, die sich die wohlhabenden Touristen und Bürger nicht zu leisten wagen. Das Ehepaar Curman, in Stockholm die Gastgeber eines Salons für Künstler und Intellektuelle, mag vielleicht auf den Spuren des bekannten Heidelbergs gerade in diesem Bild etwas vom Momenthaften des Romantischen wiedererkannt haben und es überrascht, dass der Bildungsreisende 1881 schon die Gefahr des Tourismus für den Ort und seine Menschen in seinem Bild – wenn auch sicher ohne Absicht – beschrieb. Wenn das Besondere eines Ortes zum Gegenstand des Marketings wird, verliert es sich. Das Hotel auf dem Bild mit seiner sperrigen Architektur ist heute keine Haus mehr, in dem die Prominenz gastiert, sondern in dem die permanent Tourenden der globalisierten Gesellschaft einen ständigen Wohnsitz erwerben. Tobende Kinder und das eigensinnige Leben der Altstadt findet sich jetzt an Orten, die jeder Reisende in Heidelberg aus Unkenntnis ignorieren oder aus Ressentiment eher meiden würden.

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Bergheimer Portraits

Im Rahmen der Kineskop-Filmschule findet nun ein Projekt statt, das das Heidelberger Diorama fortschreibt. Unter dem Titel „Wir in Bergheim“ werden Portraits verschiedener Läden des Heidelberger Stadtteils Bergheim in Bild und Text dokumentiert. Bergheim hat sich in Heidelberg in den vergangenen Jahren zu einem dynamischen Stadtteil entwickelt, in dem sich neben den traditionellen Geschäften wie z.B. für Eisenwaren oder Berufskleidung nun auch zahlreiche Bistros, eine afrikanische Schneiderei, Orientläden, eine Goldschmiede, Outdoor-Shops und andere Geschäfte angesiedelt haben. Diese neuen Geschäfte dokumentieren nicht nur eine neuen Lebendigkeit, sie zeigen auch, dass sich Bewohner dieses Stadtteils grundlegend verändert hat. Die Interviewreihe (Jo Bauer/Medienforum Heidelberg) und Fotosessions (Max P.Martin) werden mit einer Videodokumentation (Verena Flörchinger) begleitet. Ziel ist es, mit diesen Portraits die Vielfalt und Dynamik Bergheims in einem Bildband anschaulich zu beschreiben.

Bergheimer Straße in Heidelberg

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