Archiv der Kategorie: Schule

Ein Dilemma zwischen Zuckerhaus und Werkgespräch – das Literaturhaus in Heidelberg

von Norbert Ahlers

Heidelberg möchte sich als Unesco-Literaturstadt bewerben, eine Stadt, die einerseits bemerkenswerte Verlage beheimatet und die andererseits für ihre Größe ein überdurchschnittliches Kulturangebot hat. Doch ein Blick in das Verzeichnis der Arbeitsgemeinschaft Literarischer Gesellschaften und Gedenkstätten provoziert Zurückhaltung: in der Stadt der Romantik gibt es keine anerkannte Literaturgesellschaft. Doch es gibt eine Initiative für ein Literaturhaus.
Mit der Schließung des Kinos Lux-Harmonie in der Altstadt stehen die Nutzungskonzepte des Wormser Hofes noch einmal zur Diskussion. Eine Idee ist, hier neben anderen kommerziellen Unternehmen ein Literaturhaus einzurichten. Damit wäre ein Kulturzentrum besonderer Art geschaffen, dass sich in unmittelbarer Nähe von Theater, Kunstverein und Museum befände.
Doch die Schwierigkeiten und Vorbehalte sind groß. Ein Kulturhaus wie das DAI versteht sich selbst schon als ein Haus für Literatur, veranstaltet in diesem Zusammenhang aber lediglich Lesungen bzw. Vorträge, die Stadtbücherei ist gegenüber einem weiteren Veranstaltungsort für Literatur skeptisch und die Verlage verhalten sich weitgehend abwartend, nur der Verleger Manfred Metzner hat sich dieses Projekt zur einer Herzensangelegenheit gemacht.
Tatsächlich ist es zweifelhaft, wenn man in Heidelberg in einem Literaturhaus lediglich einen Veranstaltungsort für Lesungen versteht, bei denen man im Foyer einen Kaffee trinken und im jeweiligen Verlagsprogramm stöbern kann. Veranstaltungen dieser Art kann man tatsächlich den schon bekannten Kulturhäusern am Ort überlassen. Was dort geschieht, hat weniger mit lebendiger Literatur als mit dem herkömmlichen Kulturbetrieb zu tun.
Es ist ermutigend, wenn eine junge Autorin in Heidelberg die Leiterin eines interkulturellen Zentrums wird, genauso wie die Beharrlichkeit einer Heidelberger Autorengruppe mit einem eigenen Kleinverlag, die seit über 20 Jahren jungen Autoren ein erstes Auftreten in der Öffentlichkeit und literarische Experimente ermöglicht. Es ist beeindruckend, dass in dieser Stadt v verschiedene Verlage ihren Sitz haben, deren Programm ausgesprochen qualifiziert ist. Doch es gibt in Heidelberg keine literarische Szene, die über das Stell Dich ein beim Poetry Slam hinausginge.
Ein Literaturhaus in Heidelberg wäre ein wirklicher Gewinn, wenn es mehr wäre als bloße Veranstaltung. Das Konzept des vor kurzem gegründeten Literaturhaus Heidelberg e.V. klingt wie ein Wunschkonzert ohne Schwerpunkt, ohne inhaltliche Vision. So hat man den Eindruck, dass die Forderung nach einem Literaturhaus mehr einer Pose als einem Lebensgefühl entspricht. Es ist wichtig neue Wege zu gehen, d.h. nicht nur für die klassischen Formen der Buchliteratur, sondern z.B. auch die Nähe zu Bloggern suchen, aber auch zu Filmemachern, Hörspielautoren oder Theaterregisseuren. Literarische Netzwerke entwickeln im Sinne von gelehrten Gesprächskreisen. Literatur ist keine Veranstaltungsreihe, sondern eine Haltung zum Leben. Dafür stand Heidelberg zu verschiedenen Zeiten. Man kann aber solch eine Koinzidenz von Ort und Lebensgefühl nicht willkürlich kreieren oder inszenieren – schon gar nicht mit Begriffen wie Festival- oder Metropolregion. Man kann aber Rahmenbedingungen schaffen, die solche Koinzidenz zulassen oder begünstigen.

Der Blick des Lesers gegenüber der Kamera ist ein skeptischer, weil der Dialog mit ihr ohne Rücksicht ist. Während ein Buch eine Haltung beschreibt, ohne dass der Leser dieselbe einnehmen muss, fordert die Kamera die Haltung heraus, die man von sich selbst erwartet.

Der Blick des Lesers gegenüber der Kamera ist ein skeptischer, weil der Dialog mit ihr ohne Rücksicht ist. Während ein Buch eine Haltung beschreibt ohne dass der Leser dieselbe einnehmen muss, fordert die Kamera die Haltung heraus, die man von sich selbst erwartet.

Wem aber nützt ein Literaturhaus und wie könnte man es finanzieren? Primär wäre es vor allem denen von Nutzen, die Literatur so sehr brauchen wie andere das tägliche Brot. Das ist nicht nur eine bestimmte Gruppe von Lesern, es sind die Autoren und die Verleger. Die Verlage schaffen mit einem Literaturhaus mehr als nur eine Vitrine des eigenen Verlagsprogramms, sondern einen Ort für junge Autoren, die dort ihr eigenes Schreiben weiterentwickeln können und Verleger kennenlernen, die ihnen entsprechen. Junge Schriftsteller kämen nach Heidelberg, um hier schreiben zu können – nicht als beauftragte Stadtschreiber, sondern als freie Autoren, die hier mit anderen über ihre Arbeiten sprechen könnten, die ihr Gespür, ihren Blick und ihren Ausdruck für die Wirklichkeit im Gespräch mit anderen reflektieren müssen.
Die ersten Schritte zu diesem Modell könnten die Verlage (Genossenschaftsanteile) und die Autoren (Studiengebühren) zu einem Teil aus eigener Kraft finanzieren. Vielleicht fände sich auch ein Mäzen – vorausgesetzt es ginge ihm um Literatur und nicht um das Klischee dieser Stadt. Das Gleiche gilt im Übrigen auch für eine freie Filmschule in Heidelberg.

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Anspruch hat, was keine Kasse macht.

von Norbert Ahlers 

Die Sachlage ist verzwickt: Wenn Herr Kraus den Bund der Steuerzahler auf den Heidelberger Haushalt (vgl. RNZ-Artikel vom 15.12.12) aufmerksam macht, dann geschieht das nicht ohne Eigeninteresse. So basiert z.B. das „Alte Hallenbad“, dessen Eigner er ist, auf einem Konzept von Kultur und Konsum, das sich gegenüber den Veranstaltern wie DAI, Karlstorbahnhof, halle 02, Hebelhalle u.a. behaupten muss. In diesem Wettbewerb sind ungedeckte Mehrausgaben im kommunalen Kulturbereich für kommerzielle Veranstalter ein Ärgernis. Die Kommune ist verschuldet, muss aber investieren und will Standards halten. Die Standards sind dynamisch und entwickeln immer größeren Finanzbedarf. Es gibt einen Konsens, in die Bildung zu investieren, um der kommenden Generation eine Option für eine Zukunft zu eröffnen. Kulturförderung wird somit immer mehr als Bildungsarbeit begründet und legitimiert. Kulturschaffende greifen diesen Gedanken nur allzu gerne gedankenlos auf und bezeichnen jede Form der Bespaßung als Kulturarbeit. Mit Bildung aber hat das kaum etwas zu tun, trotzdem hält man an diesem Zusammenhang fest. Der Kulturbetrieb scheint ein Versprechen vor sich herzutragen, auf das man setzen und vertrauen möchte wie in anderen Zeiten auf die Religion. Das erscheint irrational, aber wer Kasse macht, macht es immer auf Kosten anderer. Demgegenüber ist Kultur, wenn sie denn für einen Anspruch steht, nicht nur ein ermutigendes Versprechen, sondern auch eine Verpflichtung. Bevor man auf die Schulden schaut, sollte man sich entscheiden, was einem wichtiger ist: das Versprechen der Bildung oder einfach nur das, was Kasse macht.

 

 

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Premiere des BERGKINO Boxberg/Emmertsgrund

von Norbert Ahlers

Am 20.06. hatte das Heidelberger BERGKINO auf dem Boxberg/Emmertsgrund seine Premiere. Im Rahmen des Projektes „Beton heißt Stärke“ haben Schülerinnen und Schüler der Waldparkschule ihr Kino dem Stadtteil vorgestellt. Die Leistungen der Schüler waren beeindruckend. Unter der beharrlichen Begleitung ihres Klassenlehrers Hubert Hug und mit der medienpraktischen Unterstützung seitens der Kineskop-Filmschule haben die Jugendlichen einer 8.Klasse im Verlauf des Schuljahres einen eigenen Kurzfilm gedreht, eine Fotoausstellung mit eigenen Aufnahmen zusammengestellt und einen eigenen Kinoabend organisiert. Dieser Abend war gleichzeitig der Auftakt, mit dem sich die Jugendlichen als eigene, frischgegründete Schülerfirma präsentierten. Mit „La Haine“ (M. Kassovitz, F/1995) hatten sich die Schüler zudem einen Film ausgesucht, der inhaltlich konfrontativ und ästhetisch anspruchsvoll ist.

Der Kurzfilm „Die Neue“ auf der eigenen Kinoleinwand.

„Die Neue“, der eigene Kurzfilm der Schüler, erzählt von einem Mädchen, das erst vor kurzem auf den Emmertsgrund gezogen ist und einem Jungen, der sich allein in seinem Stadtteil behaupten muss, aber in jedem Hindernis auch die Herausforderung eines eigenen Weges entdeckt. Er läuft Parkour, weil es ihm Spaß macht, auch wenn er dafür kein Verständnis findet. Er und das Mädchen, beide Außenseiter, finden, was ihnen die Umgebung verwehrt: Geborgenheit und Anerkennung.

Eindrucksvoll waren die Fotografien der Schüler, die sie unter der Begleitung von Max P. Martin in verschiedenen Workshops aufgenommen haben. Über die Ablichtung verschiedenster Orte wie etwa die Parkgaragen im Ermmertsgrund, das Iduna-Center auf dem Boxberg oder etwa die St.Paul-Kirche näherten sich schließlich die Jugendlichen auch der Arbeit eigener Portraitaufnahmen an. Dabei entstanden erstaunliche Bilder von Jugendlichen, die in ihrer Haltung, in ihrem Lachen und ihrer Skepsis wohl in einer ganz besonderen und gelungenen Form vom Leben auf dem Berg erzählen.

Orte und Gesichter vom Berg – die Bildergalerie der Jugendlichen

Im Boxberger „Holzwurm“ wurde mit Unterstützung von Ingo Smolka das örtliche Jugendzentrum mit einfachen Mitteln in ein Kino verwandelt, was für manchen auch ein déjà-vu gewesen sein mag. Es war ein Filmabend, der in seinem improvisierten Rahmen und mit seiner Authentizität an die frühe kommunale Filmarbeit erinnerte. Die selbst zubereiteten Kinosnacks wie Humus, Guacamole, Nachos mit eigenen Saucenkreationen oder eine selbst zusammengemixte Limonade waren eine angenehme Bereicherung, die manch anderes professionelle Kino adaptieren könnte. Die Ernsthaftigkeit, die Energie und die Anteilnahme, die die Jugendlichen bei der Vorbereitung dieses Abends zeigten, verblüffte manche Lehrkraft. Von 07:45 Uhr bis 21:00 Uhr waren die meisten von ihnen an diesem Tag fast ununterbrochen in der Schule bzw. in einer schulischen Veranstaltung.

die Alternative zu Popcorn

In all diesen Anstrengungen ist die Idee zu wiederzuentdecken, dass ein Kino mehr ist als nur eine Leinwand für projizierte Unterhaltung. Das BERGKINO hat die Perspektive und das Potential, ein Ort des Dialogs zu werden. Für ein zeitgenössisches Kino ist das eher ungewöhnlich und in Heidelberg, wo sich in den vergangenen Jahren die Kinosituation drastisch verändert hat, ist dieses Kinoprojekt umso bemerkenswerter: die Schüler haben mit dem BERGKINO die Filmkultur zu sich in ihren Stadtteil geholt. Ein Projekt, das durch die Kineskop initiiert, durch die Waldparkschule ermöglicht und den ESF-Fonds „Stärken vor Ort“ gefördert wurde. Eine Stärke, die auch im Zentrum der Stadt zur Kenntnis genommen werden muss.

Bleibt nur zu hoffen, dass die Filmabende fortgesetzt werden, dass die Akustik verbessert wird und die Crew die notwendige Beharrlichkeit und den unbestechlichen Eigensinn hat, die dieses ungewöhnliche Projekt von allen Beteiligten immer wieder fordert. Die Premiere war auf jeden Fall ausgesprochen ermutigend.

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Frame-Treffen am 12.12.2011 im jfc Medienzentrum Köln

von Norbert Ahlers

Auf der Sitzung der FRAME, der Konferenz unabhängiger Medienzentren, ging es um die Verhältnisbestimmung der Medienpädagogik zur kulturellen Bildung. Die lebhafte Diskussion zeigte nicht nur den Klärungsbedarf der aktiven Medienpädagogen, sondern auch deren Dilemma. Wie sehr die Auffassungen auseinandergingen, wurde am Beispiel des Umgangs mit sogenannter unkorrekter Filmarbeit deutlich, an der man die Grenzen der Pädagogik zu skizzeren suchte.

Der Aufsatz „Medien der kulturellen Bildung – kulturelle Bildung der Medien“ von Gerda Sieben (in: „Digitale Kreativität“, MedienConcret Nr. 1/11) beschreibt die Schwierigkeiten dieser Verhältnisbestimmung sehr präzise und dürfte gegenwärtig wohl die geeignete Ergänzung zu der Initiative „Keine Bildung ohne Medien“ sein.

Unabhängig davon bleibt die Frage dennoch offen, wie Bildung in der Informationsgesellschaft heute inhaltlich konkret zu verstehen ist. Das Versprechen der Bildung bleibt auf der Strecke, wenn man Pädagogik nur als „Abholen“ und Kompetenzvermittlung für die Optionen der Kreativbranche versteht, auf die sich die journalistische Tradition der Aktiven Medienarbeit inzwischen oft reduziert hat.

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Medienpädagogik zwischen Altgriechisch und html

von Norbert Ahlers

Die Kineskop-Filmschule setzt sich seit Beginn des Schuljahres 2011/12 in Kooperation mit dem Kurfürst-Friedrich-Gymnasium Heidelberg intensiv mit der Tradition des humanistischen Bildungsideals auseinander. Für das Team der Kineskop ist dieses Projekt eine Gelegenheit, die Fragen der Bildung auch in eigenen Zusammenhängen zu thematisieren.

Im Gegensatz zu den meisten Initiativen der kulturellen Bildung und der Medienpädagogik sucht die Kineskop eine komplexe Bildungstradition nachzuvollziehen, um somit die eigenen Angebote auch inhaltlich präzise zu begründen.

Die Geschichte alternativer, emanzipativer Medienprojekte und Bildungsinitiativen ist so alt wie die der Massenmedien. Doch etwas ist seit einigen Jahren verändert: gesellschaftliche Antworten oder gar visionäre Bildungsideen bleiben ohne Inhalte. Waren im 20. Jahrhundert im deutschsprachigen Raum die Begriffe Bildung, Kultur und Kunst synonym für einen Gegenentwurf zum Leben im Zwang des Notwendigen, gilt diese Vorstellung im Kreis der Kulturschaffenden längst als passé. Gleich einem Jargon werden Begriffe wie kulturelle Teilhabe, Chancengleichheit, Partizipation, Kreativität und Persönlichkeitsentwicklung beschworen, jedoch bleiben diese gesellschaftlichen Forderungen ohne Konkretion und Begründung. Eine Diskussion um die Inhalte findet nicht statt, weil man in bürgerlichen Kreisen sie zu verstehen meint. Die Begriffe sind vertraut und können ohne Widerstand bejaht werden. Eine Diskussion hat zudem den bitteren Beigeschmack des Autoritären: Wer definiert hier für wen welche Inhalte? Was gilt als guter Geschmack und weshalb? Das Dilemma dabei ist: wird diese Diskussion nicht geführt, wird sie von den blinden Machtzusammenhängen des Marktes diktiert. Diese Machtzusammenhänge propagieren Kreativität und Partizipation, wo sie Ressourcen und Konsum meinen. Kunst und Kultur werden hier nur dann zur Kenntnis genommen, wenn sie neue Trends versprechen oder sich zumindest als ein Bestandteil der produktiven Dynamik verkaufen lassen. Kreativität und Partizipation waren einstmals ein Vorrecht, nun aber scheinen sie auf ein Gebot der Notwendigkeit reduziert zu werden.

Vor diesem Hintergrund ist die Auseinandersetzung mit dem humanistischen Bildungsideal aufschlussreich. Dass man sich konkret mit diesem Ideal beschäftigt, liegt einerseits in dem Selbstverständnis der Kineskop begründet („die Medienpädaogogik wird dann relevant, wenn die Pädagogen sowohl Altgriechisch als auch html verstehen“) und andererseits im Interesse, die Versprechen der Bildung zu rekonstruieren und neu zu vermitteln. Unabhängige Bildungs- und Kulturarbeit ist Arbeit, die den Einzelnen immer wieder mit sich selbst konfrontiert. So verstanden ist diese Arbeit immer im Widerspruch zur Illusion der Spaßgesellschaft und der Kulturindustrie.

Vor dem Hintergrund des Projektes „Humanismus – eine Bildungstradition“ werden z.B. verschiedene Texte von Blaise Pascal und Michel de Montaigne gelesen, interpretiert und den Arbeitsweisen von Gruppen wie z.B. regionalen Hacker Communities gegenübergestellt. Das humanistische Credo ad fontes verstehen diese TechnikerInnen und KünstlerInnen auf ihre eigene Weise radikal und authentisch. Hier möchte die Kineskop für die eigene Arbeit Widersprüche und Zusammenhänge neu skizzieren, Gemeinsamkeiten und Interessen inhaltlich auch für sich selbst und die eigene Bildungsarbeit neu begründen.

Medienarbeiter im Fachgespräch

Lernen unter freiem Himmel - Medienarbeiter im Fachgespräch um 1909

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In der Notlage der Bildung kennen Lehrende keinen Griff nach Bracht

von Norbert Ahlers

„Wenn deine Söhne, Kallias, (…) Füllen oder Kälber wären, wüßten wir wohl einen Aufseher für sie zu finden oder zu dingen, der sie gut und tüchtig machen würde in der ihnen angemessenen Tugend: es würde nämlich ein Bereiter* sein oder ein Landmann; nun sie aber Menschen sind, was für einen Aufseher bist du gesonnen ihnen zu geben?“ (Platon – Apologie des Sokrates, Übersetzung: Schleiermacher)

Bildungsarbeit und Pädagogik sind in öffentlichen Kultureinrichtungen ein zentrales Argument im Selbstverständnis der Institutionen. Sie fundieren die Legitimationsbasis der Kulturarbeit .

Kulturarbeit will aber darüber hinaus mehr sein als bloße Pädagogik. Sie will Identität stiften, will Foren der Begegnung und Freiräume der Kunst schaffen, will als „Leuchtturm“ über die regionalen Grenzen weisen, soll als weicher Standortfaktor im Ranking urbaner Attraktivität wirtschaftliche Potentiale binden und in ihrer Vielfalt kommunale Toleranz und Stärken repräsentieren.

Diese Ansprüche aber definieren zunehmend auch die Aufgaben und das Selbstverständnis der Pädagogik. Sie erscheint weniger als Bildung, sondern vielmehr als mentales Fitnessprogramm für den Zwang zur permanenten Kreativität.

Dieses funktionsorientierte Verständnis von Kulturarbeit verspricht viel und klingt doch nach einer Ideologie, der die Versprechen von Bildung völlig fremd erscheinen. Die Phrasen der
Kulturschaffenden wie auch der -beauftragten zeigen kaum eine Idee davon, wie schwierig es sich mit der Bildung und der Kultur verhält. Was artikuliert wird ist stets Ausdruck des pädagogischen Aktionismus, der Bildung und Kultur beschwört, aber nicht einlöst. Über die Begriffe der Bildung, Kultur und Kunst selbst aber wird nicht diskutiert.

Die Idee der Bildung „ist in sich antinomistischen Wesens. Sie hat als ihre Bedingung Autonomie und Freiheit, verweist jedoch zugleich, bis heute, auf Strukturen einer je Einzelnen gegenüber vorgegebenen, in gewissem Sinn heteronomen und darum hinfälligen Ordnung, an der allein er sich zu bilden vermag. Daher gibt es in dem Augenblick, in dem es Bildung gibt, sie eigentlich schon nicht mehr. In ihrem Ursprung ist ihr Zerfall teleologisch bereits gesetzt.“ (Theorie der Halbbildung, Th.W.Adorno, S. 28 f)**

Th.W. Adornos Text veranschaulicht auch heute noch das Dilemma, in dem die Bildung eingeklemmt ist, aber gleichzeitig verweist er auch auf den Geist, der Freiheit verheißt.

Diese Bestandsaufnahme ist der Maßstab, an der sich eine Diskussion über die Bildung und Pädagogik orientieren muss. Ideen und Bildungskonzepte müssen dieses Spannungsverhältnis mitdenken, wenn sie die Versprechen der Bildung nicht verloren geben möchten.

Bildungsarbeit - Eigenschaften heben wie mit dem Griff einer Hebamme. Das geht nicht ohne Gefühl und Erfahrung.

Ob ein Kindergarten mehr einer Baumschule oder aber einem Garten ähnelt, wie ihn sich Claude Monet als Motiv schuf, ist eine Frage, wie man Erziehung und Bildung versteht: ob an Lehrplänen orientiert oder eher an der Kunst der Hebamme geschult.

Das Team der Kineskop wird das Gespräch über diesen Gegensatz und über das Verständnis von aktueller Bildungsarbeit in den kommenden Monaten weiterhin führen.

__________
* im Sinne von Zureiten wilder Pferden
** Theorie der Halbbildung, Th.W.Adorno, Frankfurt a.M. 2006

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„… das ist nur eine Blume“

von Norbert Ahlers

Wenn man Geschichten erzählen möchte, sollte man so verfahren, als wollte man von Blumen erzählen. Wie aber erzählt man von einer Orchidee? Orientiert man sich eher an der einschlägigen Lektüre zum Storytelling oder an Carl von Linné, einem der bekanntesten skandinavischen Aufklärer des 18. Jahrhunderts? Diese Frage scheint auf den ersten Blick unpraktisch, schräg und marginal, aber sie ist ausgesprochen verflixt.

In Hochschulen, in Drehbuchseminaren, in der Medienpädagogik usw. wird oft davon gesprochen, dass man eigene Geschichten erzählen sollte und dass die Erzählung einer dramaturgischen Struktur folgen muss. Phrasenhaft heißt es, eine Erzählung soll berühren, unterhalten, darf nicht langweilen, soll den Zuschauer fesseln und überraschen. Die eigenen Geschichten anderen zu erzählen, ist Ausdruck phantasievoller Kreativität, schafft Selbstvertrauen und Freiräume. Erzählerischer Witz und Medienkompetenz schaffen Formen, mit denen man sich der gesellschaftlichen Realität annähern kann, sie sich eigenständig aneignen und die eigenen Erfahrungen und Gedanken anderen kommunizieren kann.

Das mag alles zweckmäßig sein, doch intellektuell aufrichtig ist es nicht. Wie anstrengend der Widerspruch zwischen Unterhaltung und intellektueller Aufrichtigkeit ist, erzählt in unterhaltsamer Weise der Film „Adaptation“ von Charlie Kaufman (Drehbuch) und Spike Jonze (Regie).

Eine Story zu entwickeln, wenn man die Leidenschaft für eine Blume beschreiben muss, ist allerdings gar nicht so absurd wie es der Film andeutet.

Als im Mittelalter die Pest wütete, beschrieb man die Allgegenwart der Pestgefahr mit dem Bild des Totentanzes. Der Tod selbst wurde in Liedern als „Schnitter“ besungen. Die Erschütterung religiöser und sozialer Gesetze und Gewissheiten war massiv. Das Leben und der soziale Stand der Menschen wurde durch die Allgegenwart des Schwarzen Todes unterschiedslos. Egal welchen Ranges, welchen gesitteten Lebens – der Tod mähte alles danieder. Das Leben erschien eher vegetabil als schicksalhaft.

Die Metapher des Dahinmähens wurde im 20. Jahrhundert mit dem Maschinengewehr wieder aktuell. Das 20. Jahrhundert war geprägt von dem Schock des industriellen Tötens von Menschenmassen.

Das Überraschende aber ist, dass man im 20. Jahrhundert diese Erfahrungen – vor allem im Film – mit herkömmlichen Erzählformen reflektierte. Obwohl es genügend Beispiele in der Literatur und der bildenden Kunst gab, die in der Gegenwart dieses Schocks entsprechende Konsequenzen in ihrem künstlerischen Schaffen dokumentierten, dominieren die konventionellen Erzählformen in Film und Literatur. Ob Verdun, der Holocaust oder der Gulag, man nähert sich diesem Sterben immer wieder in Form von Dramen an und so werden Geschichten immer noch wie Märchen erzählt. Klare Handlungsmuster, Figuren und Charaktere in immer wieder gleichen Formen. Letztlich bleiben die mythischen Modelle, mit denen man schon im antiken Griechenland von Helden berichtete. Eine solche Dramaturgie ist unterhaltsam, reduziert aber die Dimension des Massensterbens auch auf das Unterhaltsame.

Carl von Linné, ein Erzähler des Vegetabilen?

Carl von Linné, ein Erzähler des Vegetabilen ?

Will man aber von der Wirklichkeit von Menschen in unserer Gegenwart erzählen, dann bleiben bestenfalls nur kurze Episoden. Ein Roman wie „Verlorene“ von Cormac McCarthy beschreibt sehr genau, wie willkürlich Lebensentwürfe sind und Biographien wie Treibholz irgendwo hängenbleiben oder zersplittern.

Geschichten erzählen heißt vielleicht heute, das Beharrungsvermögen zu beschreiben, mit dem Menschen im Strom ihres Alltag zu überleben verstehen, von den leisen Gefühlen, deren Schönheit und deren Zähigkeit erzählen. Sie etwa zu beschreiben wie Orchideen, die sich unter schwierigsten Bedingungen behaupten.

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Bilder einer Bildungsreise – Carla Curman in Heidelberg 1881

von Norbert Ahlers

Bei Recherchearbeiten ist das Team des Pilotprojektes „die medialen Erzählformen des Krieges – Heidelberger Bilder im ersten Weltkrieg“ auf die frühe Fotografie des Schweden Carl Curman gestoßen. Seine Bilder beschreiben das Heidelberg einer Friedenszeit, den Blick eines Reisenden auf Heidelberg in den späten Regierungsjahren des Kaisers Wilhelm I (1871-1888).

Der schwedische Arzt und Professor für Anatomie an der Stockholmer Akademie der Künste war ein leidenschaftlicher Amateurfotograf, der seine Reisen mit bemerkenswerten Bildern dokumentierte. 1881 besuchte er zusammen mit seiner Frau Carla Curman auf einer Deutschlandreise auch Heidelberg. Eine Bildserie dieser Reise findet sich auf der Bilddatenbank flickr.com, die seitens des Kulturmiljöbild – The Swedish National Heritage Board’s photographic database publiziert wurde.

Curman kam als Tourist nach Heidelberg. Seine Bilder zeigen die bekannten touristischen Motive wie die Schlossrunie, die Alte Brücke oder die Herrenmühle am Fluss, aber im Gegensatz zu den formelhaften Standardbildern der Stadt- und Schlossansichten des 20. Jahrhunderts scheint Curman als Reisender in seinen Bildern diese Motive selbst zu entdecken oder sie entsprechend der Gemäldevorlagen des frühen 19. Jahrhunderts fotografisch zu rekonstruieren. Die Bilder haben jedoch einen privaten Charakter, denn des öfteren findet sich auf ihnen Carla Curman, wie z.B. auf dem Bild, das die alte Brücke zeigt.

In der Reihe aber überrascht das Bild von der Oberen Neckarstraße.
Calla Curman in Heidelberg 1881

Es zeigt eine Altstadt, die schon dem damaligen Betrachter als anachronistisch erschienen sein muss – zumal für eine Universitätsstadt. Die Bildgestaltung betont diesen Eindruck, denn das Bild wird eingerahmt durch die Häuser dieser Gasse, die das Bild in der Perspektive verengen, was noch betont wird durch die Diagonale des Schattens, den das rechte Gebäude wirft. Oberhalb dieses Schattens, wie in einer Gasse des Sonnenlichtes, ist wieder Carla Curman zu erkennen. Dunkle Jacke, dunkler Rock, dunkler Schirm und Hut vermittelt sie den Eindruck einer alten Dame (tatsächlich war sie zu jenem Zeitpunkt gerade 31 Jahre alt). Der obere Teil öffnet das Bild auf eine von links nach rechts aufstrebende Bilddiagonale, die durch das Schlosshotel am Schloss-Wolfsbrunnenweg dominiert wird. Das klotzige Gebäude war zur Entstehungszeit des Bildes gerade erst sechs Jahre alt und dürfte für Curman wie ein gewaltiger Neubau gewirkt haben, der über dem alten Heidelberg ohne Proportion zur Umgebung thronte. Es mag ein Zufall gewesen sein, doch die rennenden Kinder im Vordergrund des Bildes sind in dem eher statischen Bild wie ein Moment des Lebens. Durch die lange Belichtungszeit sind sie wie ein flüchtiges Huschen abgelichtet und lassen etwas von der Vitalität dieser Gasse ahnen, die sich die wohlhabenden Touristen und Bürger nicht zu leisten wagen. Das Ehepaar Curman, in Stockholm die Gastgeber eines Salons für Künstler und Intellektuelle, mag vielleicht auf den Spuren des bekannten Heidelbergs gerade in diesem Bild etwas vom Momenthaften des Romantischen wiedererkannt haben und es überrascht, dass der Bildungsreisende 1881 schon die Gefahr des Tourismus für den Ort und seine Menschen in seinem Bild – wenn auch sicher ohne Absicht – beschrieb. Wenn das Besondere eines Ortes zum Gegenstand des Marketings wird, verliert es sich. Das Hotel auf dem Bild mit seiner sperrigen Architektur ist heute keine Haus mehr, in dem die Prominenz gastiert, sondern in dem die permanent Tourenden der globalisierten Gesellschaft einen ständigen Wohnsitz erwerben. Tobende Kinder und das eigensinnige Leben der Altstadt findet sich jetzt an Orten, die jeder Reisende in Heidelberg aus Unkenntnis ignorieren oder aus Ressentiment eher meiden würden.

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Braucht die Kunst die Pädagogik?

Die Künstler brauchen die Pädagogik wohl kaum, wenn es darum geht, Kunstwerke zu schaffen, aber die Pädagogen werden gebraucht, wenn es gilt, Menschen auf Kunstwerke aufmerksam zu machen.

Medienpädagogik wird in den Medienzentren und der offenen Bildungsarbeit vor allem als eine Arbeit mit Jugendlichen und für Jugendliche verstanden. Auf den ersten Blick scheint dies Sinn zu machen: Jugendliche werden als Altersgruppe klassifiziert. Das Alter ist ihr vermeintliche Gemeinsamkeit, die Konflikte sind überschaubar, weil sie als Krisen der Persönlichkeitsentwicklung definiert werden. Kulturelle Ausdrucksformen in diesen Altersgruppen werden konsequent als Jugendkultur beschrieben. Ihnen haftet etwas Rebellisches, Eigensinniges, Experimentelles an.

So beschrieben, scheint die Medienpädagogik ein einziges Missverständnis zu sein. Nicht, dass Medienpädagogen sie zwingend so verstehen, fatal aber, wenn sie von vielen so erlebt wird.

Trotz all der eindrucksvollen und engagierten Projekte und Arbeiten muß konstatiert werden, dass die Medienpädagogik nur einem Bruchteil der jungen Menschen erreicht, die eigentlich ihre Zielgruppe ist. Nicht dass die Quantität, also Teilnehmerzahlen bei workshops usw. ausschlaggebend ist, aber angesichts der Allgegenwart von elektronischen Medien im Alltag der Menschen scheint hier ein eklatantes Missverhältnis zu existieren. Der Eindruck: die Medienpädagogik fungiere nur als Alibi gegenüber einem nur scheinbar völlig unkontrollierten Medienkonsum. Von einem unkontrollierten Medienkonsum kann im Übrigen gar nicht die Rede sein. Es verhält sich ja vielmehr so, dass die Medienkonzerne sehr genau informiert sind über die Nutzungsgewohnheiten ihrer Kunden. Industrielle Komplexe kennen ihre Ressourcen sehr genau, in diesem Falle die Nutzerklintel. Was bei Jugendfestivals als Jugendkultur gefeiert wird, sind in der Regel Testgebiete für die Kulturindustrie. Ein Narr, wer in den Reproduktionen medialer Vorlagen aus Hörfunk, TV und Kino eine selbstbewusste Jugendkultur wieder erkennen will.

Welche Rolle aber kann eine Medienpädagogik ernsthaft für sich beanspruchen? Die Antwort ist so einfach wie dringend: die der Bildungsarbeit. Bildung ist die aktuelle gesellschaftliche Herausforderung. Wie aber vermittelt man plausibel Lust zur Aneignung von Bildung. Um einem Missverständnis vorzubeugen: Bildungsarbeit macht Spaß, ist aber keine Angelegenheit des Spaßes. Bei der Bildung geht es vielmehr um das Versprechen, sich in der Wirklichkeit besser zu verstehen, sich mit anderen gemeinsam über die Bedingungen in der Welt zu verständigen. Bildungsarbeit ist nicht das „Abholen von Jugendlichen“ oder das Inszenieren von betreuter Jugendkultur. Bildungsarbeit ist vielmehr das Eröffnen von Freiräumen, in denen die Zusammenhänge und das Zusammenspiel von Traditionen und Utopien entdeckt werden können. Freiräume kreativer Neugierde, die vor allem eines sucht: den Dialog zum gemeinsamen Gestalten.

Medienpädagogik ist vor diesem Hintergrund eine Notwendigkeit, denn sie vermittelt mehr als bloßes technisches Wissen wie etwa die Tastaturbefehle einer Software. Sie ermutigt, eigene Themen zu artikulieren und zu behaupten. Medienpädagogik schafft also wie jede ernsthafte Pädagogik die Voraussetzungen zur Teilnahme am kulturellen Diskurs. Und in einer industrialisierten Informationsgesellschaft ist sie wie keine andere Pädagogik dazu geeignet, diese Herausforderung anzunehmen.

Wie aber kann man Bildung und Emanzipation behaupten in einem gesellschaftlichen Kontext, der kulturelle Vielfalt auf die Angebotsvielfalt des Supermarktes reduziert und nach Pädagogen nur dann ruft, wenn es gilt, Sozialarbeit zu leisten? Medienpädagogik ist keine Sache, die sich auf Jugendarbeit beschränkt. Sie ist Bildungsarbeit für jeden, der am kulturellen Diskurs teilhaben will, unabhängig vom Alter und Herkunft. Bildung aber basiert auf den Axiomen der Aufklärung. Die Frage aber ist, ob in einer zur Totalität neigenden Informationsgesellschaft noch jemand Gelegenheit findet, Interesse und Faszination an der Aufklärung für sich zu entdecken.

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Die aktuellen Aktivitäten der Kineskop

Im Jahr 2011 scheint die Kineskop-Filmschule einen überraschenden Entwicklungsschub zu erfahren. Gegenwärtig werden drei verschiedene Bereiche gleichzeitig bearbeitet: die Filmwissenschaft mit dem Stummfilm-Symposium, die Medienpädagogik mit verschiedenen Schulprojekten und der offene Bereich mit dem Videoportal „Heidelberger Gartenpavillions“. Für dieses Portal werden zur Zeit drei Filme und die dazugehörige Homepage fertiggestellt. Die Schulprojekte zeigen eine neue Dynamik. So wird z.B. mit der Albert-Schweitzer Schule (Heidelberg Pfaffengrund) nun nicht wie bisher ein Stummfilm gedreht, sondern ein komplexer Science-Fiction-Film. Sehr gespannt darf man auch auf die Auseinandersetzung der Schüler mit der Lektüre von Alina Bronskys „Scherbenpark“ und Janne Tellers „Nichts, was im Leben wichtig ist“ sein. Ungewöhnlich auch das Projekt mit der 6d des Kurfürst-Friedrich-Gymnasiums, dem Hochbegabtenzug, bei dem die Schüler einen Animationsfilm zum Thema Stadtentwicklung und Zukunft produzieren. In eigener Regie haben die Schüler mittels verschiedener Techniken die exemplarische Geschichte zweier Städte skizziert und deren mögliche Perspektiven, wie man Problemen z.B. der Verdichtung von Ballungsräumen begegnen könnte. Außerdem sind weitere Projekte in Vorbereitung, wie z.B. der Filmessay mit zwei Oberstufenkursen des Friedrich-Ebert-Gymnasiums in Sandhausen. Das nun kommende Stummfilm-Symposium, was in Zusammenarbeit mit dem Medienforum Heidelberg und dem CineClub des Romanischen Seminars realisiert wird, ist neben den Schulprojekten der zweite Schwerpunkt. Bei all diesen Aktivitäten, die eine wachsende Resonanz erfahren, zeigt sich, dass Kineskop in Heidelberg sich immer mehr zu einer Institution der Film- und Medienwissenschaften entwickelt. Tatsächlich bleibt es ein Rätsel, dass eine Exzellenzuniversität wie Heidelberg immer noch auf einen Fachbereich der Film- und Medienwissenschaft verzichtet. Die Studierenden reagieren auf ihre eigene ermutigende Weise: mit einem beeindruckenden Engagement bei der Kineskop-Filmschule.

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