Archiv der Kategorie: Kurzfilm

Ein Film über Maria Pellegrinon und ihr unvergessenes Gasthaus

In der Reihe: „Auf der Suche nach den verlorenen Herzen“ präsentiert die Kineskop den Film

Marias Freiraum“ – Eine Hommage an das „Gasthaus zur Bergstraße“, dessen Geschichte 2011 ihr Ende fand.

Maria Pellegrinon

Maria Pellegrinon

Ein Film von Andrea Munzert und Sarah Ewald im Rahmen des Geländepraktikums der Anthropogeographie „Randgruppen, Randräume – eine Filmwerkstatt“ 2009

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Was heißt hier „Kultur“?

von Norbert Ahlers

Doch wie wird Kultur überhaupt definiert? Diese Frage stand unter anderem im Mittelpunkt des Festes. Der Tenor: Kultur heißt nicht nur Kunst, Kultur braucht eine Langzeitwirkung, die gemeinsame Geschichte schafft. Genau diesen Tenor hat auch Rainer Kern, Leiter des Büros 2020 und Zuständiger der Kulturhauptstadtbewerbung, in seiner Gesprächsrunde aufgenommen.“ schreibt danielg zu der Veranstaltung Denkfest in Schwetzingen. Tatsächlich ist die Antwort auf die Frage wesentlich komplizierter als sie das Statement von Rainer Kern suggeriert. In der Diskussion um Kreativ- und Kulturwirtschaft werden beide Bereiche oft gegeneinander ausgespielt. Während einerseits versucht wird, die Kulturarbeit gegenüber der Logik des Kommerz abzugrenzen, insistiert man andererseits gerade auf die vitale Wechselbeziehung zwischen Markt und Kulturarbeit. Ausdruck dieser Wechselbeziehung, die klare Grenzen zwischen Kulturschaffenden und Kreativwirtschaft kaum mehr erkennen lässt, zeigt sich eben in den Berufen der „neuen Selbstständigen“ wie Designern, MediengestalterInnen, GestalterInnen für visuelles Marketing usw. Tatsächlich ist die Differenz kaum plausibel zu vermitteln, denn die Kulturbetriebe wie z.B. Theater oder soziokulturelle Zentren verstehen sich oft eher als kulturelle Dienstleistungsbetriebe. Ihre Kommunikationtechniken gleichen eher denen von Marketingstrategen als von Intellektuellen und Kunstverständigen. Hier liegt auch wohl ein zentrales Missverständnis. Die Kulturschaffenden und die Kreativwirtschaft sind insoweit identisch wie sie sich in ihrem Verhältnis zur Kunst verstehen. Das Verstehen von und das Einstehen für die Kunst bezeichnet die entscheidende Differenz. Der Kulturbetrieb und die Kreativwirtschaft sprechen von Kunst, wenn sie Trends, Standortvorteile oder Legitimationsgründe meinen. Die Herausforderung und Anstrengung, die ein Kunstwerk dem Betrachter zumutet, wird vom Kulturbetrieb und der Kreativwirtschaft ignoriert. Kunst wird in diesem Zusammenhang auf eine bloße Erwerbsarbeit der Unterhaltung reduziert. Wie elementar diese Differenz zwischen Kunst und Kultur aber ist, veranschaulicht ein Kurzfilm von Jean Luc Godard. Seine radikale Haltung provoziert und scheint einen in der kompromisslosen Gegenüberstellung ohnmächtig zu lassen. Doch Godard hat sie 1993 im Angesicht des Schocks der Balkankriege in dem filmischen Gedicht „Je vous salue, sarajevo“ beschrieben. Er zeigt mit seinem Film, wie die Gesellschaft weitgehend nicht nur diesen Krieg vergessen zu haben scheint, sondern wie vehement der Kulturbetrieb und die Kreativwirtschaft jedwede Kunst negieren, ob im Alltag oder in den Werken, wenn sie sich nicht gedankenlos verschlingen läßt.

Der Text des Kurzfilms ist in etwa so zu übersetzen:

Gegrüßet seist du, Sarajevo

In gewissem Sinne ist die Angst die Tochter Gottes,
die in der Karfreitagnacht erlöst wird.
Sie ist nicht schön,
verspottet, beschimpft und verleugnet von allen.
Aber verstehen Sie es nicht falsch. Sie wacht über alle Todesangst,
sie legt Fürsprache für die Menschheit ein.
Denn es gibt eine Regel und eine Ausnahme.
Kultur ist die Regel,
und Kunst ist die Ausnahme.
Jeder spricht die Regel aus:
Zigarette, Computer, T-Shirt, TV, Tourismus, Kriege.
Niemand spricht für die Ausnahme.
Sie wird nicht gesprochen,
sie wird geschrieben: Flaubert, Dostojewski.
Sie wird komponiert: Gershwin, Mozart.
Sie wird gemalt: Cézanne, Vermeer.
Sie wird gefilmt: Antonioni, Vigo.
Oder sie wird gelebt,
und dann ist es die Kunst des Lebens: Srebrenica, Mostar, Sarajevo.

Die Regel ist, den Tod der Ausnahme zu wollen.
Also die Regel für ein kulturelles Europa ist, den Tod
der Kunst des Lebens zu organisieren, die immer noch blüht.

Wenn es Zeit ist, das Buch zu schließen, werde ich nichts bereuen.
Ich habe so viele Menschen gesehen, die so schlecht gelebt haben,
und so viele, die so gut gestorben sind.

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Am Rande des Heidelberger Stummfilm-Symposiums: „Mediale Erzählformen vom Krieg“

von Norbert Ahlers

Die Vorbereitungen für das Pilotprojekt des Instituts für Filmgeschichte(n) haben ihren Anfang genommen. Mit diesem Projekt will das Team des Stummfilm-Symposiums klären, ob man in Heidelberg weitere Schritte in Richtung Filmwissenschaft gehen kann.

Schwerpunkt des Projektes ist die Erinnerungsarbeit, genauer die „medialen Erzählformen vom Krieg“. Damit sind allerdings weniger die Kriegsfilme gemeint als vielmehr die Gelegenheitsfotos von Soldaten, mit denen sie versuchten, ihr eigenes Bild von ihrem Kriegsalltag zu dokumentieren und zu begreifen. Schwerpunkt sind die Aufnahmen aus dem Weltkrieg von 1914-18, weil zu einem hier ein mediengeschichtlicher Zusammenhang zum Stummfilm-Symposium beschrieben werden kann und zum anderen, weil die Fotografie als moderne Bildtechnik erstmals in größerer Zahl von Amateuren genutzt wurde. Im Gegensatz zu den dramaturgischen Erzählungen der Filmindustrie beschreiben die privaten Bilder vom Krieg einen subjektiven Ausschnitt vom Kriegsalltag.

Die Arbeitsgruppe will versuchen, mit der Analyse des Bildmaterials einen Verständnis für den Erinnerungsprozeß von historischen Zäsuren nachzuvollziehen. Dabei ist sich das Team bewußt, dass diese Arbeit weit mehr ist als pure historische Quellenarbeit und will daher versuchen, das Material für Schulen aufzuarbeiten.

Weitere Informationen dazu unter info@kineskop.de

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Respekt und Vertrauen – eine Herausforderung der Pädagogik

Das Team der Kineskop in Kooperation mit der Waldparkschule Heidelberg und dem Stadttheater Heidelberg hat in diesem Jahr einen Neckarwestern mit Hauptschülern gedreht, in deren Klasse etwa 90 % der Schüler und Schülerinnen einen Migrationshintergrund haben.

Die Jugendlichen beeindruckten durch ihre Vitalität, die allerdings durchaus nicht ungebrochen war. Je näher man sie kennen lernen durfte, desto deutlicher wurde, wie sperrig sie ihre eigene Zukunft erleben müssen.

Sie wissen genau, dass ihre Voraussetzungen nicht ausreichen, um den Erwartungen und Standards der Informationsgesellschaft zu genügen. Ihre Vorstellungen – etwa von den Geschlechterrollen – erinnern oft an die Erwartungen, die in der Republik vor 40 Jahren Konsens waren. Doch diese Vorstellungen sind kaum mit dem Migrationshintergrund zu begründen. Vielmehr scheint es, dass bei den Jugendlichen diese Vorstellungen durch die Familie dominiert werden, denn in ihrer Situation wissen sie, dass letztlich nur die Familie einen sozialen Rückhalt gewährleistet. Diese Gewissheit behauptet sich unabhängig davon, dass die materielle Existenz bei vielen durch Sozialleistungen gesichert wird.

Die Jugendlichen demonstrieren Außenstehenden eine Pose der Gleichgültigkeit, die wenig mit sogenannter Coolness zu tun hat. Es geht dabei eher um den Ausdruck einer Skepsis, denn sie wissen, dass von ihnen Leistungen erwartet werden, für die ihnen in der Regel die Voraussetzungen fehlen.

Doch bei dem realisierten Projekt konnte das Kineskop-Team beobachten, wie sehr in dieser Skepsis auch die Sehnsucht nach Anerkennung zum Ausdruck kommt. Eine Anerkennung, die oft auch als Respekt bezeichnet wird.

Respekt ist als Begriff durchaus rätselhaft und wird mit Ansehen, aber auch mit Ehrerbietung bzw. schuldige Achtung übersetzt (obwohl es im Wortstamm korrekt Rück- bzw. Umsicht heißt). Der Begriff widersetzt sich dem der Toleranz, die letztlich nur Duldung heißt. Wen man aber nur erduldet, dem verweigert man letztlich den Respekt. Darum wissen die Jugendlichen, auch wenn ihnen dafür vielleicht die Begriffe fehlen.

Respekt ist unbequem, denn der schuldigen Achtung wohnt auch die Furcht vor einem Versagen inne. Die Ehrerbietung hat zudem einen Klang von Unterwerfung. Begriffe, die in den herkömmlichen Vorstellungen von individueller Freiheit selten reflektiert werden. Andererseits erweist man dem die Ehre und die Achtung, dem man auch vertraut. Vertrauen aber ist etwas, was man nicht einfach einfordern kann, sondern was man einem anderen schenkt. Umgekehrt wird aber auch die Forderung nach Respekt zur Phrase, wenn man selbst das Vertrauen des Anderen gar nicht mehr erwartet bzw. nicht mehr wahrnehmen möchte.

Tatsächlich könnte hier auch die wesentliche Differenz liegen zwischen dem, was einerseits im öffentlichen Diskurs verhandelt wird und andererseits dem, was das unspektakuläre Gelingen praktischen Zusammenlebens verschiedenster Menschen und Kulturen im Alltag und in der Nachbarschaft begründet.

Bei dem Film haben die Jugendlichen immer wieder die Pose der Gleichgültigkeit aufgegeben und die Verantwortung dem Projekt gegenüber wahrgenommen, weil sowohl Lehrer als auch Außenstehende ihnen diese Arbeit und Eigenständigkeit zugetraut haben.

Vertrauen zu schenken ist mehr als nur eine Herausforderung des Alltags. Es ist die Voraussetzung, die Würde des Anderen anzuerkennen. Jugendlichen davon eine Idee zu geben ist gelungene Pädagogik.

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