Culture Makes Money

von Norbert Ahlers

Auf dem Heidelberger Forum der Kultur- und Kreativwirtschaft findet sich der Hinweis auf einen Artikel von Christian Boros (vgl. http://www.kreativwirtschaft-hd.de/2011/05/k-west-kultur-vs-kreativwirtschaft-pladoyer-fur-ein-neues-miteinander/). In dem Text wird ein „new creative deal“ zwischen den „Akteuren der Kultur, der Kulturwirtschaft, der Verwaltung, der Immobilienwirtschaft und der Wirtschaft insgesamt“ angesprochen. Hintergrund dieses Impulses ist die Krise der öffentlichen Kulturförderung, in der Kultureinrichtungen wie z.B. Schauspielhäuser immer mehr an Spielraum verlieren.

Abgesehen davon wie phantasielos und unpassend die Phrase von einem „New Deal“ in diesem Zusammenhang erscheint, ist die Idee der verstärkten Einbindung der Wirtschaft in Kulturförderung alles andere als neu. Noch vor der Wirtschaftskrise 2002/03, die die finanziellen Spielräume der Kommunen massiv eingeschränkte, konstruierten Künstler der freien Szene kooperative Modelle zwischen Kunstevent und kommerziellem Sponsoring. Kritische Distanz gegenüber der Logik des Kommerz wurde als unzeitgemäß und irreal abgetan, was insofern pragmatisch konsequent war, da immer mehr Künstler mit Sparmaßnahmen der Kommunen im Kulturbereich rechnen und sich auf einem kommerziellen Markt behaupten mussten.

Jetzt – im Jahr 2011 – hört man wieder von massiven Sparmaßnahmen, von eklatanten Einschnitten, und dieses Mal sind die Kommunen tatsächlich finanziell ruiniert. So scheint es sich dann auch anzubieten, von neuen Kooperationsmodellen zu sprechen. Wer aber im Kulturbereich von „öffentlich-private Betreibermodelle“ spricht, klingt wie der Wolf mit der in Mehl geweißten Pfote. Wie öffentlich-private Betreibermodelle praktisch aussehen, dokumentiert der Film „Water Makes Money“ (http://www.watermakesmoney.com/ oder vgl. entsprechende Links bei http://www.youtube.de).

Wenn die Grundversorgung von elementaren Bedürfnissen (Wasser) von der öffentlichen Hand in privatwirtschaftliche Modelle überführt wird, dann wird die Versorgung zugunsten des Profits versäumt. Am Ende bleibt die Grundversorgung auf der Strecke, wenn nicht mit finanziellen Mehrbelastungen die Versorgungsdienste wieder zurückgekauft werden. Mit einer ähnlichen Logik wird man auch im Kulturbetrieb rechnen müssen, wenn man sich auf den „new creative deal“ einlassen würde.

Es ist übrigens bemerkenswert, wie stets von der Kultur- und Kreativwirtschaft die Rede ist, aber nicht von der Kunst. Diese spielt in diesem Zusammenhang faktisch keinerlei Rolle mehr, es sei denn im Rahmen des Kunstmarktes, also der Kunstmessen und Galerien. Die Idee, dass die Kunst eine Gegenwelt zur gesellschaftlichen Wirklichkeit repräsentiert, erscheint in den Kreisen der Kultur- und Kreativwirtschaft absurd. Was sich nicht als innovative Dienstleistung und Standortfaktor legitimieren kann, trägt das Stigma der Irrelevanz. Fakt aber ist, dass gerade die verkürzte Vorstellung von Kunst, wie sie in der Kreativwirtschaft propagiert wird, so phantasielos wie totalitär ist.

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Ein Kommentar

Eingeordnet unter Heidelberg im Quadrat, Heidelberger Diorama, Kunst und Gegenwart, Theater

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